Standort

Ehemaliges Frauengefängnis Lichterfelde

Das monumentale Gebäudeensemble in der Söhtstraße wurde von 1902 bis 1906 im Neorenaissance-Stil errichtet. Über ein Jahrhundert lang diente es als Justizvollzugsanstalt, bevor es 2010 stillgelegt wurde. Bei Architektur-Führungen erfährt man/frau mehr über die denkmalgeschützten Details.

Mit viel Engagement und noch mehr Herzblut hat der engagierte Eigentümer den ehemaligen Gefängniskomplex in den letzten Jahren einfühlsam umgestaltet. Im Haupthaus (Bauteil A und B) des großen Areals befindet sich heute ein stylisches Boutique-Hotel mit gehobenem Restaurant und schicker Cocktailbar: „THE KNAST (TheKnast.de). 

Im Garten steht der historische Zellentrakt (Bauteil C). Um einen Lichthof mit Tageslichtdach verteilen sich auf drei Ebenen insgesamt rund 40 vormalige Schließ-Zellen. Der Eigentümer vermietet prideART einen Teil des Atrium-Bauwerks als LGBT-Kulturort, um freie Kunst zu zeigen und unabhängige Künstler zu fördern. Wir freuen uns über das Vertrauen und sind dankbar für die gute Nachbarschaft.

Wo früher dunkle Einzelzellen der Isolation dienten, nutzen heute internationale LGBTQIA+-Künstler gemeinsam die Räume als bezahlbare Ateliers und verwandeln somit die alten Gitter und Mauern in Symbole der Freiheit und Toleranz.  

 

Queeres Berlin: Metropole im Wandel

Berlin gilt als eine der bedeutendsten queeren Metropolen der Welt. Die Stadt blickt auf eine äußerst bewegte Geschichte zurück – von emanzipatorischen Pionierzeiten über tiefe Brüche bis hin zur heutigen, facettenreichen Kulturlandschaft. 

Weimarer Republik:

Berlin galt weltweit als Epizentrum der ersten homosexuellen Emanzipationsbewegung. Hier entstand 1919 mit „Anders als die Anderen“ der erste queere Kinofilm der Welt. In den so genannten Goldenen Zwanzigern prägten Ikonen wie Marlene Dietrich, Christopher Isherwood und Magnus Hirschfeld die freiheitliche Entwicklung. Ein erstes liberales Mekka entstand. Fast alles schien möglich…

NS-Zeit:

Die hyper-liberale Ära wurde durch die Nationalsozialisten brutal zerschlagen, gefolgt von der Verschärfung des Verfolgungs-Paragrafen §175 und der Deportation Homosexueller in Konzentrationslager. 

Die geteilte Stadt:

Während sich im West-Berlin der 1970er und 1980er Jahre eine lautstarke, wilde Aktionskunst entwickelte, mussten in der DDR die Kunstschaffenden mit queeren Biografien unter staatlicher Zensur arbeiten und eher im Verborgenen leben.  

Wiedervereinigung:

Der Mauerfall 1989 lässt die jahrzehntelang scharf abgetrennten Ost- und West-Gesellschaften plötzlich verschmelzen. Explosionsartig entstehen neue Projekte. Nach der Grenzöffnung zieht die wiedergewonnene Freiheit rasch Künstler aus aller Welt fast magisch an. 

Die ungeregelten Freiräume im Osten bringen legendäre Clubs hervor (z. B. KitKat, Berghain). Die weltweite LGBTQ+-Emanzipation und die riesigen CSD-Paraden prägen die Stadt. Motto: „Berlin ist arm, aber sexy“. Nahezu unbegrenzte Möglichkeiten führen zu überbordenden Events. Mutige Kulturorganisationen wie das Schwule Museum sichern wertvolle Exponate des historischen Erbes.  

Heute:

Queere Kunst wird ganz selbstverständlich und regelmäßig auch in staatlichen Museen und führenden Galerien präsentiert. Die breite Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert queere Inhalte. Zahllose unabhängige Initiativen organisieren queere Stadtfeste, queere Fachmessen und queere Kulturevents. Freischaffende Kunst- und Künstler-Vereine bereichern aktiv die Gegenwartskunst. Sehr vieles ist möglich – noch…! 

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